Biases sind ein integraler Teil der modernen Psychologie und definiert als systematische Denkfehler. Wir lassen uns ständig von ihnen täuschen. Um fehlerfreier denken zu können sollten wir die verschiedenen Biases kennen und wissen, wie wir sie verhindern können.
Hintergrund
Der Mensch und sein Verstand sind komplizierte Wesen. Das Denken läuft Psychologen zufolge in zwei Systemen ab: Kahneman nennt sie System 1 und 2 (vgl. “Thinking, Fast and Slow”), ich werde aber die hilfreicheren Bezeichnungen automatisches und reflektives System von Thaler & Sunstein nutzen (vgl. “Nudge”).
Das automatische System arbeitet ununterbrochen, mühelos und schnell. Alles, was du ohne Nachzudenken machen kannst, wird von diesem System übernommen, z.B. Laufen oder Autofahren auf bekannter Straße. Das reflektive System hingegen ist langsamer, aber dafür kontrolliert, bewusst und mühevoll. Man kann es am ehesten mit denken vergleichen.
Das automatische System ist herausragend, wenn es um Effizienz geht. Es arbeitet blitzschnell und energiesparend und ist zudem die meiste Zeit ausreichend. Manchmal untergehen ihm aber Fehler. Welche das sind und wie du sie verhindern kannst, erzähle ich dir jetzt.
Urteilsheuristiken
Heuristiken sind das Treffen von Entscheidungen unter begrenztem Wissen und/oder begrenzter Zeit. Nicht immer können wir ein Problem einfach lösen und manchmal ersetzen wir eine schwierige Frage durch eine einfachere. Wenn du zu einem Urteil kommst, hinterfrage deine Herangehensweise. Bist du zu dem Entschluss durch tiefgründige Analyse gekommen oder hast du doch eigentlich eine andere Frage beantwortet?
- Affektheuristik: Anstelle der eigentlichen Frage wird das Gefühl in der Situation bewertet, z.B. “Soll ich mit dem Auto fahren?” → “Macht mir Autofahren Spaß?”.
- Ankerheuristik: Wenn man keine Ahnung hat, orientiert man sich an vorgegebenen Werten. Jeder, der auf dem Flohmarkt etwas gekauft hat, kennt es: Der Verkäufer gibt einem einen Preis vor und der Käufer versucht diesen herunterzuschrauben, beginnend am Ausgangspreis. Verwendet das Gegenüber einen unfairen Anker als Bias, sollte man sich damit nicht auf die Verhandlung einlassen. Um einen schlechten Preisvorschlag erkennen zu können, könnte man vorher Preise vergleichen.
- Verfügbarkeitsheuristik: Frage wird dadurch beantwortet, wie einfach einem Beispiele einfallen. Beispielsweise könnte man denken, dass Morde häufiger sind als Suizide, weil Morde eher in den Nachrichten berichtet werden als Suizide. Diese Heuristik ist besonders gefährlich, weil sie eine einfache Manipulation durch Berichterstattung ermöglicht. Andererseits ist es sinnvoll, Wissen anzueignen, weil uns nichts einfallen kann was wir nicht wissen.
- Repräsentativitätsheuristik: Wenn etwas zu einem Stereotypen passt, finden wir es wahrscheinlicher. Beispielsweise erscheint es uns wahrscheinlicher, dass eine athletische Person ein Profisportler sein könnte als Sportlehrer oder gar Hobbysportler, wobei letztere häufiger sind. Beachte die Basisrate und passe deine Schätzung daran an. Das heißt, dass du zuerst schaust, wie häufig dieses Ereignis in der Gesamtbevölkerung vorkommt, unbeachtet von der Beschreibung. Hierzu kannst du dir das sog. Linda-Problem anschauen.
Alternative Erklärungen
- Narrative Verzerrung: Wir glauben Geschichten (im Sinne einer zusammenhängenden Erzählung) eher als zusammenhangslose Fakten. Wenn dir jemand eine Geschichte erzählt, hinterfrage diese und prüfe, ob es alternative Erklärungen geben könnte.
- Regression zur Mitte: Extremwerte neigen dazu, sich im nächsten Messvorgang zur Mitte zu nähern. Wenn du mit einem sehr hohen oder niedrigen Wert konfrontiert wirst, mache dir klar, dass der Wert auch von sich der Mitte nähern könnte. Vielleicht bringt der Ingwershot doch nicht so viel?
- Rückschaufehler: Im Nachhinein ist alles klarer. Mach dir nichts drauß, denn zum Entscheidungszeitpunkt wusstest du vieles nicht. Um es schwarz-auf-weiß zu haben, kannst du ein Entscheidungstagebuch führen, in dem du die Gründe für und gegen eine Entscheidung notierst.
- Verlustaversion: Verluste verärgern uns etwa doppelt so viel wie Gewinne uns erfreuen. Ändere deine Perspektive und versuche auf Verluste aus der Gewinn-Sicht zu sehen.
- Möglichkeits- und Sicherheitseffekt: Niedrige Wahrscheinlichkeiten besorgen uns mehr als sie theoretisch sollten, Wahrscheinlichkeiten knapp unter 100 % geben uns noch die Hoffnung auf Nicht-Eintreten. Trete einen Schritt zurück und berechne den Erwartungswert. Somit wirst du erkennen, dass Lotto fast alle ärmer macht.
- Framing: Formulierungen haben enormen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Ändere deine Perspektive und schaue, ob das Angebot immer noch attraktiv ist. Vielleicht änderst du deine Entscheidung, wenn du “10 % Wahrscheinlichkeit zu sterben” auf “90 % Wahrscheinlichkeit zu überleben” änderst?


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